Medienpreis Schleswig-Holstein

Preisträger 2010    

 
 

Dr. Hans Hoch - Preis für Medienkunst

1. Preis Grete Göttrup für "Lucent Lines - Tanz der Fassade" Video abspielen


Eine tanzende Fassade? Wo gibt es denn so etwas?
Die Idee einer großflächigen Fassadenprojektion wurde im November 2009 an der Kieler Oper verwirklicht. Das Gebäude mit seinen 56 geometrisch angeordneten Fenstern bietet für die Installation die ideale Fassade. Hier wurde Kunst am Bau in Bewegung und Musik verwandelt und gleichzeitig das Kieler Ballett nach außen hin präsentiert.

Bewegungslinien aus dem Filmmaterial des Choreografen Mario Schröder bilden den Ausgangspunkt. Für die Installation wurden diese neu arrangiert und bilden damit eine eigenständige Choreografie. So wird die Fassade zur Bühne, auf der die Bilder tanzen. Hier entstand eine rhytmische Gesamtkomposition aus Bewegung, Formen, Farben und Klängen, die die Kieler Oper in einem besonderen Licht scheinen lässt und den Platz vor der Oper in eine einzigartige Atmosphäre taucht.

Die Jury erkennt Greta Gröttrup, Absolventin der Muthesius Kunsthochschule, den ersten Preis des Dr. Hans-Hoch-Medienpreises für die mediale Inszenierung "Lucent Lines" auf die Fassade des Kieler Opernhauses zu. Greta Gröttrup interessiert sich für die äußere, sichtbare Form des Tanzes. Bewegung ist für sie lebendige Architektur. In Zusammenarbeit mit der Hamburger Musikergruppe "ensemble Intégrales" und dem Theater Kiel ist ihr eine beeindruckende Arbeit gelungen, die unsere Fantasie anregt und uns zum Träumen bringt.
2. Preis Bastian Böhm, Nico Uthe für "Bad News - a media fiction" Video abspielen


Kann allein die Botschaft vom Ende der Welt, eine Reihe von Reaktionen auslösen, die letztendlich selbst zum Ende der Welt führen könnten?

Wir befinden uns in einer amerikanischen Zeitungsdruckerei in den 1950er Jahren. Eine druckfrische Zeitung mit der Nachricht vom drohenden Weltuntergang rückt in den Fokus. Diese Headline bringt uns in die Gegenwart -- sie ist ein Zitat aus der Berichterstattung über die aktuelle Finanzkrise. Die Illustration eines Kometen, der auf die Erde zurast, verstärkt den Eindruck des baldigen Endes.

Das Werk unserer Preisträger fragt, welche Konsequenzen Information und Nachrichten auslösen können. In Hinblick auf die Finanzkrise entwickelten sie eine filmische Metapher, eine überspitzte Persiflage, in welcher allein die Information vom Weltuntergang den Weltuntergang herbeiführt - eine selbst erfüllenden Prophezeiung herauf beschworen durch die Medien.

Von Beginn an verändert sich das Layout der Zeitung analog zur Dramatik. Durch die erste Reaktion ausgelöst, bahnt sich ein visuelles Chaos durch die gesamte Erzählung. Eine Flut an Informationen überrumpelt den Beobachter. Buchstaben, Textblöcke, Infografiken, Illustrationen, Fotocollagen -- die gesamte Gestaltung zerfällt lawinenartig und gipfelt letztendlich in der Form eines Kometen, der aus Begriffen und Bildmaterial besteht. Ein Lieblingsmoment der Jury ist wie die Bildüberschrift "The biggest Pancake" zerrüttet wird und nur noch das Wort "Panic" stehen bleibt.

Neben der ästhetischen Qualität haben die Preisträger Bastian Böhm und Nico Uthe  mit ihrem Werk "Bad News" auch alle technischen Herausforderungen vorbildlich gemeistert - eine Reihe von digitalen Werkzeugen wie Bildbearbeitungs- und Grafikprogramme, Compositing- und Animationsprogramme, aber auch Echtbildvideomaterial und 3d-gerenderte Sequenzen kamen bei dieser Arbeit zum Einsatz.
3. Preis Momme Halbe für "Raceyard - join the team" Video abspielen


Was ist ein Commercial? Stellen Sie sich einmal vor, Sie sind Mercedes. Sie stellen ein neues Sportcoupe vor, für das Sie nicht nur typische Kino- und Fernsehwerbung machen wollen. Nein, Sie wollen auch einmal zeigen, wie toll das Team ist, das das Auto entworfen hat, wollen zeigen, welche Schritte bis zur Serienreife notwendig waren, wie das Auto immer und immer wieder getestet und verbessert wurde. Dann holen Sie sich, weil es ja ein Sportwagen ist, noch Michael Schuhmacher dazu. Wenn der fährt, weiß jeder, dass das Auto sogar für die Nürburgring taugt.

Ein Commercial, das ist eine Präsentationsform, die häufig von der Industrie einsetzt wird, um neue Produkte vorzustellen. Es muss natürlich nicht immer ein Auto sein, auch andere Investitionsgüter oder Dienstleistungen werden so präsentiert. Es ist ein bisschen Hochglanz dabei, ein bisschen Zeitlupe, ein bisschen Zeitraffer, viel bewegte Kamera und typisch ist auch, dass einzelne Sequenzen nicht zu Ende erzählt werden, sondern dass sich der Zuschauer selber seinen Reim darauf machen soll. Der Informationstransport läuft fast ausschließlich auf emotionaler Ebene.

"Raceyard", eingereicht von Kameramann Momme Halbe und seinem Team, zeigt sehr gut, wie so was aussehen muss: Mit liebevollen Bildern erzählt der Film uns die Geschichte eines ganz besonderen Autos. Filmisches Handwerk, die Story und die dafür verwendete Videotechnik sind harmonisch. Solche Botschaften sorgen für Gesprächsstoff, und: Sie machen das präsentierte Produkt zu etwas Besonderem. Um es mit Michael Schuhmacher zu sagen. wir fühlten uns wie auf der Rennstrecke! Mit anderen Worten: Der Film ist rundum stimming!

 

SchülerMedienPreis SH

1. Preis Julia Benthien, Johanna Blume, Emily Dakers, Ann-Katrin Pfeuer, Laura Wagner für "Das fehlende Blatt" Video abspielen


Sich mit dem Tod und der Vorstellung, eine geliebte Person zu verlieren, auseinander zu setzen ist eine Aufgabe, die Menschen auf verschiedenste Art und Weise bewältigen. Es geht dabei entweder darum, sich dem Thema als Teil des Lebens zu nähern, und auch darüber nachzudenken, was ein persönlicher Verlust für einen selber bedeuten würde.

Genau diesem Thema widmet sich der folgende Beitrag. In einem Zusammenspiel aus ergreifenden Bildern und angemessen unterstützender Musik nehmen wir teil am Gedenken an eine nach schwerer Krankheit verstorbenen Freundin. Vor dem Hintergrund der Metapher des fehlenden Blattes erhalten wir einen Einblick in die Gefühlswelt der Hinterbliebenen und haben Teil an ihrer besonderen Freundschaft, an der mit dem Abschied endenden schweren Zeit der Erkrankung wie auch dem Versuch, den Verlust zu verstehen, ihn anzunehmen und damit weiter zu leben.

Emotional berührt und nachdenklich hat sich die Jury entschlossen, den Film "Das fehlende Blatt" mit dem 1. Preis in der Kategorie SchülerMedienPreis SH zu ehren. Voller Respekt vor der Sensibilität, mit der sie ein schwieriges Thema behandelt haben - das insbesondere Jugendliche häufig noch weit von sich weisen - gratulieren wir von Herzen den Preisträgerinnen Johanna Blume, Julia Benthien, Emily Daker, Ann-Katrin Pfeufer und Laura Wagner von der Stormarnschule Ahrensburg.
2. Preis Jana Ulrika Peinelt für "I like birds" Video abspielen


Wenn man an "Musikvideos" denkt, dann hat man so etwas wie Michael Jacksons "Thriller" oder Lady Gagas "Paparazzi" vor Augen. Ein Musikvideo kann aber auch überraschend anders sein.

Stellen Sie sich die folgende Geschichte vor: Da hat ein kleiner Mensch keine Lust auf die langweilige Welt der Erwachsenen und erfindet mit seinen Legosteinen und -figuren einfach seine eigene. Er hat keine Lust auf den chaotischen Verkehr in seiner Stadt. Er will auch nicht in langen Schlangen im Supermarkt anstehen. Das alles langweilt ihn - das einzige, das ihn interessiert, sind Vögel.

Vögel liebt der kleine Mensch so sehr, dass er sich einen Garten mit bunten Blumen und Bäumen baut, in den er ein schönes Vogelhaus setzt. Als die Vögel angeflogen kommen und das Häuschen beziehen, besuchen und bestaunen schließlich auch die Erwachsenen seinen Garten.

Und jetzt stellen Sie sich das alles aus Lego vor!

Zu einem Liedertext von Eels, einer US-amerikanischen <http://de.wikipedia.org/wiki/US-amerikanisch> Rockband <http://de.wikipedia.org/wiki/Rockband>, die vom Singer und Songwriter Mark Oliver Everett <http://de.wikipedia.org/wiki/Mark_Oliver_Everett> gegründet wurde, findet die junge Filmemacherin Jana Ulrika Peinelt passende Bilder aus der Kinderwelt. Der Preisträgerin ist es mit ihrem phantasievollen Musikvideo "I like birds" gelungen, die Jury durch Witz und die perfekte Animation ihrer Legofiguren zu überzeugen.
3. Preis Julius Beeck, Lars Erichsen, Philipp Beeck für "Der Weg ist das Ziel" Video abspielen


Unser Film beginnt ganz alltäglich. Als der Sohn nach Hause kommt, sieht er seinen Vater, der sich im Sessel lümmelt und Fußball schaut. Symbolhaft zeigen hier die Filmemacher einen Menschen, der ganz dem Konsum verfallen ist und dessen geistige Bedürfnisse durch Fußball, Bier und Fernsehen gestillt werden, ein Mitglied der geistlosen Konsum- und Massengesellschaft.

Beim Anblick seines behäbigen, selbstzufriedenen Vaters sieht der Sohn plötzlich wie ein Blitz seine Zukunft, die ihn erwartet, wenn er noch länger zu Hause bleibt. Wie oft wohl hat er mit seinem Vater diskutiert, sich über seine Ansichten geärgert und doch nichts geändert. Erschüttert bricht er mit seinem bisherigen Leben. In dieser Grenzsituation zerbrechen alle alten Maßstäbe, sucht er Befreiung aus dem alten sinnleeren Trott, erfasst ihn die Sehnsucht nach Sinn. Die Filmemacher wählen für das Sehnsuchtsziel des Hauptdarstellers das Symbol der Alpen als stärksten Gegensatz zum Meer.

Gemeinsam mit seinem Freund bricht der Sohn zu seiner neuen Zukunft auf. Er lässt sich nicht entmutigen. Doch der Weg ist lang. Deswegen ist es schwierig, aus dem Stand der Euphorie der plötzlichen Entschlossenheit, den Weg im Alltag durchzuhalten. Die Schwierigkeit des Weges zeigen die Filmemacher am Verhalten des Weggefährten und Freundes. Schon bei dem ersten Problem, des Beschaffens der täglichen Nahrung, gibt er auf, fällt zurück in alte Verhaltensweisen der Selbstbezogenheit, dem Festhalten am Materiellen. Er will seinen Besitz nicht teilen, er behält seine Wurst für sich. Er geht zurück zu seiner alten Stadt am Meer.

Das Ortsschild Meldorf als Beginn, einer für einen Wanderer endlos langen Strecke bis zu den Alpen, zeigt die Endlosigkeit des Weges und die Nichterreichbarkeit des Zieles. Wie bei einem Pilgerweg im Mittelalter lauern dort nicht nur Gefahren und Rückschläge, deren ständige Überwindung den Menschen stärkt und verbessert, sondern der Wanderer hat beim Gehen viel Zeit zum Nachdenken und zur Besinnung. So ist der Weg schon ein Wert an sich, bereits ein Teil des Ziels und dient zur Läuterung des Menschen und zur Vorbereitung auf sein Ziel.

Die jungen Filmemacher Philipp Beeck, Julius Beeck und Lars Erichsen haben in ihrem Film "Der Weg ist das Ziel" mit einfachen Bildern und gelungenen Symbolen ihre Botschaft dem Betrachter verständlich dargestellt und nahe gebracht.

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